Mittwoch, 22. Februar 2012

Mr. Experienced

Wir haben glaube ich alle diesen Freund, der sechs Monate, ein Jahr oder noch länger im Ausland war: Australien, Asien, Weltreise, was auch immer.
Und dieser Freund kommt in den meisten Fällen mit einem Sack voller Weisheiten zurück. Weisheiten wie:
Carpe diem - Nutze den Tag!!!!
When life gives you lemons, make lemonade!!!
Life is just what happens, while you're busy making other plans.
...
Ausnahmsweise mal keine Weisheiten vom kleinen Prinzen, die behalten sich lieber die Mädels in ihren Facebookprofilen als Zitate vor ("Man sieht nur mit dem Herzen gut..."blablabla).
Jedenfalls meint dieser Freund dann, uns ungefragt und konstant mit seiner neugewonnenen Lebenserfahrung bereichern zu müssen.
Jedes Argument, das man dagegenhält, wird außer Kraft gesetzt mit:
"Ja, du hast nur Angst, dein gewohntes Umfeld zu verlassen!"
"Du weißt nicht, was richtig leben bedeutet, bevor du nicht in der Welt unterwegs warst!"
"Erst, wenn man vieles gesehen hat, weiß man das Leben richtig zu schätzen, vorher kannst du das nicht beurteilen."

Ich möchte nicht sagen, dass er damit Unrecht hat. Aber es ist doch jedem selbst überlassen, was er mit seinem Leben anfängt.
Und wenn es dem einen reicht, einen Job zu finden, der ihm tatsächlich Spaß macht, einen Partner zu haben, den er tatsächlich liebt, eine Familie zu gründen und zwei bis dreimal im Jahr in den Urlaub zu fahren und so die Welt zu erkunden, dann ist das doch in Ordnung.
Diese Weltenbummler meinen immer, sie könnten dem Rest der Welt vorpredigen, wie das richtige Leben funktioniert. Im gleichen Moment ist einer ihrer Grundsätze, dass jeder seine eigenen Entscheidungen treffen soll und zwar diejenigen, die ihn glücklich machen.
Hier liegt das Problem, denn der Weltenbummler setzt voraus, dass das die Entscheidungen sind, die auch ihn glücklich machen. Natürlich sollte man sein Leben nicht nur mit Arbeit und Stress vollpacken, aber ist das nicht trotzdem jedem selbst überlassen? Nicht alle Menschen werden durch die gleichen Dinge glücklich.
Da gibt es Menschen, die nie Kinder möchten und das auch vollkommen ernst meinen. Diese werden von den Kinderbesitzern mitleidig betrachtet, weil sie nie wissen werden, was für ein Glück es ist, einen kleinen Miniklon von sich zu haben.
Umgekehrt bemitleiden die Kinderlosen die Kinderbesitzer, weil sie der Meinung sind, dass diese ihre Freiheit für immer aufgegeben haben.
Die, die wenig arbeiten, bemitleiden die, die viel Stress haben, weil sie ihr Leben nicht genießen können. Die, die viel Stress haben, bemitleiden die, die wenig arbeiten, weil sie sich einen gewissen Lebensstandard nicht leisten können.
Die, die viel in der Welt herumreisen, bemitleiden die, die nie aus ihrem Dorf herauskommen, weil sie der Meinung sind, deren Horizont bliebe beschränkt. Die, die ihr Heimatdorf nie verlassen, bemitleiden die, die viel herumreisen, weil sie glauben, diese würden nie sesshaft werden, weil sie sich an keinem Platz zuhause fühlen.
Diese Liste könnte man wahrscheinlich endlos weiterführen.
Aber warum kann nicht jeder jeden sein Glück selbst finden lassen und das dann auch so akzeptieren?

Das ist die Frage, auf die es wohl nie eine geben Antwort wird...

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